Unsere Schule in Indien

Endlich ist es soweit, denn auf diesen Moment habe ich schon lange gewartet.

Auch wir haben unsere Grenzen

Seit wir die Schule in Indien adoptiert haben, haben wir viele verschiedenen Dinge ausprobiert. Wir haben unsere Zeit reingesteckt und so viel versucht zu verbessern und verschönern wie es in unserer Macht und unseren Möglichkeiten lag. Wir haben die Wände bemalt, Aktivitäten mit den Schülern gemacht und mit Lehren und Eltern gesprochen. Doch auch wir haben unsere Grenzen.

„An die Zeit und wie die Uhren in Indien ticken werde ich mich leider nie gewöhnen.“

An der Infrastruktur der Schule fehlt es an einigen. Wir können alle unsere Liebe geben, doch wenn es am Ende an finanziellen Mitteln fehlt, dann bleiben auch wir in unseren tun und handeln stehen. Somit haben Karan und ich vor einigen Monaten eine kleine Kampagne gestartet und ein paar Spenden gesammelt, um die Schule mit einem kleinen Spielplatz zu bereichern und den Schülern etwas Freude zu schenken. Die Kampagne lief gut und wir konnten unser Ziel erreichen. Jetzt, ein paar Monate danach, konnten wir endlich unsere erste Schaukel aufstellen. An die Zeit und wie die Uhren in Indien ticken werde ich mich leider nie gewöhnen, denn wenn es nach mir ginge würde alles sofort geschehen, doch die Dinge brauchen her ihre Zeit. Erst einmal hat es ca. fast 3 Monate gedauert bis wir die Spendengelder erhalten haben und danach hat es noch einmal einen Monate gedauert bis die Schaukel gebaut und bei der Schule aufgebaut wurde. Ich weiß, alles wird zu seiner Zeit passieren und das ich mich wahrscheinlich noch viel in Geduld üben muss aber dieser Schritt hat mir wieder geholfen zu sehen das am Ende doch alles gut wird.

Nun ist sie da

Die letzten Monate hatten mich sehr frustriert, ich wollte anfangen zu bauen, die Schule verbessern, für die Kinder da sein. Ich konnte nicht alles sofort bewältigen, was much traurig machte und dann noch die Monate warten, ich dachte es würde nie passieren. Dann noch der Druck, den man sich macht, ich meine schließlich hatten wir Spenden gesammelt und ich wollte das jeder weiß, dass auch die am richtigen Ort landen, um das Vertrauen das uns viele schenken nicht zu missbrauchen. Immer diese Geduldsprobe. Aber nun ist sie da, unsere Schaukel und es freut mich zu sehen wie gut sie bei den Kindern ankommt, mein Herz macht Freudensprünge, ich kann es nicht in Worte fassen so viel Glück empfinde ich und ich wäre selbst gerne dabei, um ihr lachen und ihre Freude zu spüren.

Natürlich war das erst der Anfang, es gibt noch einiges zu tun, doch das hat mir gezeigt das es klappt, es braucht nur ein bisschen Zeit.

Mehr über unser Projekt und unsere Schule findest du auf:

www.gardenoflove.in

Oder bei facebook:

www.facebook.com/groups/GardenOfLoveTrust/

Karlsruhe

Die Sachen gepackt, die zwei Wochen in Thüringen vorbei und ab nach Karlsruhe. Es von Indien kennend, machen mir lange Reisen mit dem Bus schon gar nichts mehr aus, zudem sind sie hier viel Luxuriöser. Indische Busse verfügen über die basics, je nachdem was für eine Klasse man bucht, hat man sogar Stühle mit denen man sich zurücklehnen kann und vielleicht sogar einen Bildschirm im Mittelgang, auf dem Filme laufen. Hier hingegen fehlt es einen an nichts, von Ladestationen über WLAN und sogar einer Toilette im Bus ist alles dabei, perfekt für ein entspanntes reisen, sogar mit Kind.

Wiedersehen

Wir kommen in Karlsruhe nach ca. 8 Stunden fahrt an und werden von einer Freundin abgeholt, bei der wir die nächsten Tage verbringen werden. Es gibt nur wenige Menschen die so bereit sind alles was sie haben mit dir zu teilen und das auch noch auf engstem Raum. Sanne, die Freundin bei der wir unterkamen, hat eine kleine 1 Zimmer Wohnung. Man könnte meinen 3 Leute und ein Baby in einem Raum, das geht nicht gut aber ganz im Gegenteil. So herzlich wie sie ist überließ sie uns ihr Doppelbett und sie selbst schlief auf der Couch. Da sie am nächsten Tag arbeiten musste, gab sie uns sogar ihren Schlüssel, sodass auch wir unserer Dingen nachkommen konnten, denn schon am nächsten Tag hatten wir ein treffen in Frankfurt geplant.

„Ein kleines bisschen wie daheim.“

Es ging um ein Bewerbungsgespäch in einem Restaurant, das wir die Woche zuvor fur Karan ausgemacht hatten. Der Weg nach Frankfurt betrug 2 Stunden und eine halbe Stunde laufen, um den Laden zu finden. Dort angekommen sollten wir feststellen, dass der Chef des Restaurantes nicht da war, er hatte Grippe und lag daheim im Bett. Zuerst war ich fassungslos und konnte nicht glauben was da eben geschehen war, ich meine normalerweise sagt man doch wenigstens ab, wir kamen schließlich einen langen Weg nur um ihn zu treffen, von den Fahrtkosten mal abgesehen. Vielleicht hätte ich auch einfach auf Karan hören sollen, als er sagte wir sollten lieber vorher noch einmal anrufen, um sicher zu gehen das er auch da sei. Für mich bedeutet, Termin ist Termin und der wird auch eingehalten, falls nicht irgendjemand absagt, zumindest war ich das aus Deutschland so gewohnt, Indien ist eine andere Geschichte. Leider behilt Karan recht und ich war sauer und enttäuscht, das auch ein bisschen auf mich selbst. Wir hatten große Hoffnungen in diesen Job gelegt und wären auch glücklich darüber gewesen in Frankfurt zu bleiben, was vielleicht auch an den vielen kleinen indischen Läden lag, die wir auf dem Weg zu Fuss zum Restaurant gesehen haben. Ein kleines bisschen wie daheim.

Hin und her

Da wir nun schon einmal hier waren, beschlossen wir erstmal etwas zu essen, bevor wir uns auf den Weg zurück nach Karlsruhe machten. Während dem essen viel mir ein, dass wir auch in Frankfurt ein Hotelzimmer nehmen könnten, um den Chef dann am nächsten Tag zu treffen, wenn er damit einverstanden wäre. Ich dachte mir, ob Zug oder Hotelzimmer die Kosten sind am Ende die gleichen und wir hätten wenigstens nicht so eine rennerei. Der Chef des Restaurants willigte ein, uns in seinem anderen Restuarant, das er besaß, am nächsten Tag zu treffen. Dies erzählten wir meiner Freundin Sanne, sie sollte bescheit wissen, das wir nicht nach Hause kommen würden. Doch sanne meinte es würde nicht in Frage kommen das wir in einem Hotel schlafen, da wir so gar nichts dabei hatten. Sie schlug uns vor uns abzuholen und auch am nächsten Tag, da sie frei hatte, wieder hinzufahren. Wir willigten ein, unter der Vorraussetzung für sie indisch kochen zu dürfen.

Gesagt getan. Am nächsten Tag machten wir 4 uns wieder auf den Weg nach Frankfurt und traffen den Chef des Restaurants. Er sagte, er würde jemanden für seinen Laden brauchen in dem wir gestern waren aber uns noch nicht zusagen konnte, da er erst sehen wolle wie Karan arbeitet. Wir willigten ein, ein Probearbeiten auszumachen, was entweder schon am nächsten Tag passieren sollte oder in der nächsten Woche. Dies wollte er uns am nächsten Tag mitteilen. So gingen wir wieder heim und verbrachten den Abend bei meiner Freundin.

„wir malten uns schon ein leben in Frankfurt aus“

Am nächsten Tag kam alles ganz anders. Ich schrieb dem Chef eine Nachricht, ob er was genaueres weiß, damit wir einplanen konnten wie lange wir in Karlsruhe bleiben würden. Die Antwort war ernüchternd, er schrieb, das er mit seinem Partner gesprochen habe und sie momentan zu viele Leute hatten, also keinen brauchten und das mit dem Probearbieten habe sich somit auch erledigt. Er meinte jedoch, dass in 3 Monaten jemand gekündigt habe und er die Stelle freihalten könne, wenn wir denn wollten. Natürlich waren wir enttäuscht wir malten uns schon ein leben in Frankfurt aus, nicht weit weg von Karlsruhe und meinen Freunden.

„Warum kann man denn nicht einfach nein sagen?“

Ich verstehe nicht warum man nicht von vorneherein hätte sagen können, dass man niemanden braucht, das hatte er bestimmt gewusst, stattdessen lässt er uns 2 mal nach Frankfurt fahren, für nichts und wieder nichts. Warum kann man denn nicht einfach nein sagen, ohne jemanden vorher Hoffnungen zu machen.

Gute Freunde

Da man aber nie weiß für was es gut war und vielleicht war es auch besser so, vergassen wir die Sache schnell und genossen die restliche Zeit in Karlsruhe mit ein paar Freunden und meinem Bruder. Neben der nicht so erfreulichen Sache mit Frankfurt, hat mir Karlsruhe gezeigt, das es immer noch ein paar Menschen gibt die da sind und zu mir stehen, ganz egal wie lange man sich nicht sieht oder wie oft man miteinander redet und dafür bin ich dankbar.

Himalaya liebe (3/2)

Die Nacht im Hotel war ruhig und ich hatte morgens genug Zeit mich morgens, alleine, fertig zu machen. Karans Onkel, holte uns ab, sodass wir mit der Familie noch einmal zusammen Frühstücken konnten, bevor wir uns auf zu unseren nächsten Ziel machten.

„Warum aus einem Teller?“

Zum Frühstück gab es Aloo Parantha, was so viel ist wie ein Fladenbrot, dass mit Kartoffeln gefüllt ist. Dazu gibt es meist Joghurt und pickle (kleines scharfes eingelegtes Gemüse) und dazu chai. Karan und ich aßen seit Beginn unserer Ehe nur aus einem Teller, warum das so war und wie es gekommen war weiß ich nicht mehr genau, vielleicht wollten wir uns einfach so nah wie möglich sein und einfach alles miteinander teilen. Dieses Verhalten wurde von seinen Verandten meist belächelt, sie konnten es nicht verstehen oder nachvollziehen, warum aus einem Teller? Karans Mutter beantwortete dies meist mit, „Sie lieben sich einfach viel zu sehr und können nicht ohne einander“. Auch das wurde meist nur belächelt, Männer taten meist ihre Arbeit und die Frauen ihre eigene, doch wir 2 klebten aneinander wie Kaugummi, sodass Karan oft gefragt wurde, ob ich ihn den nie alleine ließe. Aber wieso denn nur ich? Klar war es schön wenn er immer da war und mir alles übersetzen könnte oder Sachen erklärte, die ich nicht verstand. Ich war schließlich in einem komplett anderen Land, das so ganz anders war als das Land in dem ich aufwuchs, da kann man sich schon manchmal verloren und einsam fühlen. Doch trotz alledem ging dieses Verhalten von beiden Seiten aus. Wir waren schließlich frisch verheiratet und erst seit kurzem zusammen, da ist das doch normal. Oder nicht?

Schön freundlich lächeln

Naja, jedenfalls verstand ich immer noch kein Wort und es wurde mir meist übersetzt. Zudem sprechen sie hier oben in den Bergen kein Hindi, es ist eine völlig andere Sprache und selbst wenn ich Hindi hätte sprechen können, hätte ich wahrscheinlich trotzdem kein Wort verstanden. Also blieb mir meistens nicht viel außer freundlich zu lächeln und still auf meinem Essen zu kauen. Seine Verwandten hier oben konnten kein englisch, also war ich auf die Übersetzung seiner Mutter, Schwester und Karan selbst angewiesen.

Kein verstecken spielen

Mit dem Frühstück fertig fuhren wir in das Touristengebiet MC Load Ganj, der Ort an dem der Dalai Lama lebt. Hier gibt es viele kleine Geschäfte und Restaurants mit internationalem Essen. Wir schlenderten ein wenig durch die Straßen, schauten uns die verschiedenen kleinen Läden an und beschlossen anschließend in einem der Restaurants hier essen zu gehen. Es war das Restaurant Mclo, das direkt auf dem Hauptplatz von Mc Load Ganj steht. Das Restaurant ist sehr bekannt und das Essen ist gut. Es gibt 3 verschiedenem Stockwerke mit einer Dachterrasse, sodass man eine gute Aussicht über das ganze Gebiet hat. Wir saßen natürlich auf der Dachterrasse und genossen die freie Zeit unter uns, bei der man auch mal öffentlich ein Bier trinken konnte ohne verstecken spielen zu müssen.

Mein persönlicher Lachplatz

Der Ort in den Bergen gefällt mir, die frische Luft, die weite und die Natur. Ganz anders als Delhi, wo das Leben hauptsächlich in der Wohnung stattfindet. Hier wollte ich bleiben, für immer.

Himalaya liebe (2/2)

Als wir von dem Tempel runter kamen war ich froh meine Schuhe wieder anziehen zu dürfen. Wir gingen direkt was essen, denn den Tempel sollten wir wiedermal mit nüchternen Magen betreten.

„ich will nicht pingelig oder undankbar erscheinen“

Es ist schon komisch manchmal hier sogenannte Dhabas (Restaurant’s) zu betreten, da es manchmal nicht mehr braucht als einen Raum mit ein paar alten kaputten Stühlen und Tischen. Außerhalb des Raumes, das heißt auf der Straße, steht meistens jemand der das Essen zubereitet, vor ihm eine Riesen Pfanne voller Öl, die was weiß ich wie oft oder lange benutzt wird. Die meistens Räume zum Essen vor dem Tempel sehen nicht sehr einladend aus, zumindest nicht für meine Augen und trotzdem gehen wir in einen hinein. Innen drin die Wände nass und kalt. Dieses Ambiente zu sehen lässt mich schon wundern wie das Essen schmecken wird und ob man danach sich eventuell 3 Tage im Badezimmer einsperren muss. Ich war schon eine Weile in Indien unterwegs und konnte mich mittlerweile an das Essen gewöhnen, also sagte ich nichts, ich will nicht pingelig oder undankbar erscheinen, das Essen wird schon gut sein und mir wird nichts passieren. Das war es zum Glück auch nicht, das Essen war ok, vielleicht wurde ja wirklich sauberer gekocht als der Laden aussah oder ich hatte einfach nur Glück.

 Aarti

Fertig damit fuhren wir noch in einen letzten Tempel, es fing an zu regnen, was das ganze noch unangenehmer machte. Meine Mutter streikte diesmal, sie wollte im Taxi warten, denn nun wurde es durch den Regen richtig kalt.Als alles vorbei war, war ich froh alles überstanden zu haben und wir nun weiter zu Karans Verwandten fuhren. Hier wurden wir mit einem Ritual names Aarti begrüßt, bei dem ein Licht, das mit Öl brennt, ein Räucherstäbchen und Kumkum (rotes Pulver) auf einem Teller platziert werden. Dieser Teller wird dann im Uhrzeigersinn vor uns rotiert, wobei am Ende mir und Karan ein Tikka (roter Punkt), auf der Stirn zwischen den Augen, mit dem Finger aufgetragen wurde. Dieses Ritual wurde durchgeführt um mich als neues Familienmitglied in der Familie aufzunehmen. Darauf folgte natürlich wieder das wir die Füße aller Älteren, aus Zeichen des Respekts, berühren mußten. Wir blieben noch eine Weile zum chai (Tee mit Milch) und zum Abendessen. Danach verschwanden Karan, meine Mutter und ich in ein nahegelegnes Hotel, da in dem Familienhaus nicht genügend Platz für uns alle gewesen wäre. Seine Schwester und Mutter blieben die Nacht hier.

„Privatsphäre wird klein geschrieben“

Ich war schon froh etwas Abstand und Ruhe zu haben, seit den Tagen vor der Hochzeit war immer so viel Trubel und keine Zeit für uns alleine. Die paar Stunden Privatsphäre taten mir und meiner Mama gut, wir waren es nicht gewohnt immer so viele Menschen um uns zu haben. Das die Privatsphäre in Indien sehr klein geschrieben wird sollte ich noch früh genug lernen. Damals dachte ich, das es nur mit der Hochzeit und allem drum herum zusammenhängt und das in der Zeit danach, sobald der Alltag da war, alles seinen normalen Gang nehmen würde. Ich kann nicht genug verdeutlichen wie sehr ich mich irrte.

<3

Unser Neuanfang

Seit Karan hier ist war nicht viel Zeit. Er kam in München an und wir haben 3 Tage bei meiner Mama verbracht, bei der wir momentan wohnen. In diesen 3 Tagen haben wir keine Zeit verschwendet und haben ihn direkt beim Einwohnermeldeamt angemeldet. Schon am Tag darauf haben wir seine Aufenthaltsgenehmigung beantragt, was wohl kein Problem zu sein scheint, denn schon mit dem Visa allein ist er berechtigt hier in Deutschland zu arbeiten. Nachdem wir erstmal den ganzen Papierkram erledigt hatten ging es auch gleich weiter. Mein Papa, der in Thüringen wohnt, hatte sich extra 2 Wochen freigenommen, sodass wir ihn besuchen konnten. Wir wollten erstmal die Zeit als Familie genießen, ein bisschen zusammen Deutschland erkunden, damit er sehen kann wo ich aufgewachsen bin, meine alte Heimat und Freunde. Wir werden früh genug in die deutsche Arbeitswelt einsteigen, was uns dann erstmal alle Zeit zum Reisen nehmen wird.

„sag niemals nie“

Wir sind nun schon seit über einer Woche hier in Thüringen, haben Zeit mit der Familie verbracht und alte Freunde besucht mit denen ich zusammen aufgewachsen bin. Momentan fühlt sich noch alles wie Urlaub an, es ist schon etwas unwirklich das er jetzt wirklich hier ist, da ich oft nicht wirklich daran geglaubt habe. Ich muss auch ehrlich zugeben, ich wollte Indien eigentlich nie so wirklich verlassen, was vielleicht dazu geführt hat das wir es bis jetzt nie so richtig probiert haben. Uns geht es gut in Indien, man hat mehr Freiheiten und ich liebe die Vielfältigkeit des Landes. Von Strand über Wüste, Tropen und Berge, es gibt alles, für jederman was dabei. Doch wie heißt es so schön, sag niemals nie, unverhofft kommt oft und nun sind wir hier.

Nur wir 3

Jetzt nun hier zu sein bringt uns beiden immer wieder die Frage wie wird es weiter gehen? Wo werden wir wohnen? Wo und als was wird Karan arbeit finden? Eins ist klar wir wollen flexibel sein und wo auch immer Karan in Deutschland Arbeit findet da werden wir hinziehen. Wir wollen erstmal in Deutschland bleiben und das ganz egal wo, nur wir 3, mal auf der anderen Seite der Welt.

„egal wo, egal wer, egal wann“

Bald sind die 2 Wochen bei meinem Papa um und es geht weiter nach Karlsruhe, die Stadt in der ich lebte bevor ich Deutschland verlassen habe. Auch hier will ich ihm alles zeigen und wer weiss wie es noch weiter geht. Ich bin mir sicher wir finden was, denn nichts ist unmöglich solange man fest daran glaubt und alles dafür tut das es in Erfüllung geht, egal wo, egal wer, egal wann.

<3

Himalaya liebe (1/2)

Die Tage danach

Wer glaubt nach der Hochzeit seien alle Rituale vorbei der Irrt sich, denn es stand noch einiges auf dem Program. Karans Familie stammt Ursprünglich aus den Himalayas, aus dem wunderschönen Bezirk Himachal Pradesh im Norden Indiens. Hier wohnen noch die meisten seiner Verwandten mütterlicherseits, die wir jetzt als frisch verheiratetes Paar besuchen sollten, um uns auch hier den Segen der Familie abzuholen. Der alte Heimatort seiner Mutter war 12 Stunden entfernt und viele von ihnen konnten sich einfach nicht auf den weiten Weg nach Delhi machen. Doch die Verwandten besuchen war nicht alles, es war auch wichtig in den Tempel seiner Familie zu gehen um die Hochzeit noch einmal vor den Göttern zu besiegeln. Alle seine Vorfahren gingen nach der Hochzeit in genau diesen Tempel und somit auch wir.

„An schlaf war nicht zu denken.“

Da wir kein eigenes Auto hatten mussten wir uns ein Taxi mieten, sodass wir alle, Karans Mutter, Schwester, meine Mutter, Karan und ich, zusammen fahren konnten. Die Fahrt ging am Abend zuvor los, denn schon am nächsten Morgen wollte seine Mutter den Tempel erreichen, um direkt danach die Familie zu besuchen, die einige km von dem Temepl entfernt lebten. Auf der Fahrt dorthin gab es keine Zwischenfälle, wir versuchten nur zu schlafen. Das war nicht so einfach, da wir alle zusammen gequetscht in einem Taxi saßen. An Schlaf war kaum zu denken, sodass wir müde am nächsten Morgen ankamen.

„Verlangten sie wirklich von mir hier zu duschen?“

Dort hielten wir direkt neben einem Hotel an das nicht weit vom Tempel entfernt lag und nahmen uns ein Zimmer, denn Karan und ich sollten duschen bevor wir den Tempel betraten. Das klang leichter als es war. Das Zimmer war dreckig und kalt und es sah aus als sei es noch nie geputzt worden. In Indien sind die Häuser nicht isoliert und es gibt auch keine Heizung, somit bleiben die Zimmer im Winter kalt und es bleibt einem nichts anderes übrig als sich den ganzen Tag unter der Decke zu verkriechen. Es war Dezember, Winter in Indien und man mag es nicht glauben aber es wird super kalt dort oben in den Bergen, sodass man seinen eigenen Atem im Zimmer sehen kann. Warmes Wasser gab es in dem Zimmer auch nicht. Ich habe mich ziemlich unwohl gefühlt als ich das Zimmer sah, verlangten sie wirklich von mir hier zu duschen? So ganz ohne Kleidung, Barfuss, auf dem Boden und das auch noch mit kaltem Wasser? Ich war geschockt. Im Nebenzimmer hörte ich Karan vor kälte bibbern, denn die Wände waren dünn. Auch er hatte seine Probleme mit der kälte. Im anderen Zimmer saßen unsere Mütter und seine Schwester im Bett, unter dicken Decken und machten sich einen Spass aus unserer nicht ganz so angenehmen Lage. Macht schnell, haben sie gesagt, dann ist es nur halb so schlimm, haben sie gesagt. Die hatten gut reden.

-Augen zu und durch Momente-

Im nachhinein alles nochmal selbst zu durchleben, sieht man das es einige dieser -Augen zu und durch Momente- gab und dieser sollte wohl nicht der letzte sein. Also nahm ich all meinen Mut zusammen, zog im Blitztempo meine Klamotten aus und schüttete das kalte Wassser über mich. In Indien findet man nur selten Duschen, außer man geht in ein Sterne Hotel, denke ich, aber ansonsten finden man nur einen Eimer den man voll mit Wassser lässt und einen kleinen Plastikbecher mit dem man sich das Wasser überschüttet. Nach noch einen Schub Wasser konnte ich nun auch im Nebenzimmer Karan vor kälte schreien hören und wir beide mussten lachen. So, dachte ich mir, das musste reichen, schnell Abtrocknen und dann schnell in die warmen Klamotten.

– Warum haben wir nochmal im Winter geheiratet?-

Als nun das schlimmste überstanden war und wir fertig waren gingen wir auf den Tempel zu. Es war wie gesagt sehr kalt und der Tempel lag einen langen Weg nach oben, dieser Weg musste Barfuß gelaufen werden, da im Tempel Schuhe nicht erlaubt waren und der Weg zum Tempel zählte mit, also mussten alle ihre Schuhe vorher schon ausziehen. Nun bakam auch meine Mama einen Schock, denn nun musste auch sie da mit durch. Der Boden war nass und kalt, was sie fast zum aufgeben gebracht hätte, denn sie wollte auf uns im Taxi warten. Man hätte sich auch wirklich etwas schöneres vorstellen können aber auch sie konnte sich überwinden und kam dann doch mit uns mit. Mir kam aber doch immer wieder der Gedanke – Warum haben wir nochmal im Winter geheiratet?-

<3

Herzenssache (Teil 4/1)

Kleine Feier

Nach dem Tempel war der Tag noch lange nicht vorbei. Die Heirat im Tempel geschah früh morgens, mit wenigen Verwandten. Danach ging es Heim, zu Hause angekommen gab es dann das lang ersehnte Frühstück und ich musste mich für den Nachmittag umziehen. Es wurde noch eine Zeit lang gequatscht und Zeit mit der Familie verbracht, doch nicht lange danach ging es schon wieder weiter zum Frisör. Abends sollte die große Feier sein mit Freunden und Familie.

3 Mal Umziehen

Meine Haare waren eine Katastrophe. Zu der Zeit in der ich Karan kennengelernt hatte, hatte ich noch Dreadlocks, die beim Reisen so gut wie von allein entstanden sind und dann durch verschiedene Leute mehr eingedreht worden. Da diese Dreadlocks nicht wirklich schön gemacht waren und mich eigentlich nur nervten, haben seine Mutter, seine Schwester und ich ein paar Tage vor der Hochzeit verschiedene Frisöre gesucht, die mir diese wieder auftrennen können. Nach einigen hin und her laufen fanden wir dann auch zum Glück einen und die Dreadlocks wurden in einer 9 stündigen, schmerzhaften Prozedur wieder aufgetrennt. Dies geschah sehr zum leid meiner Haare, die danach einfach nur noch tot und kaputt waren. Der Frisör vor der Hochzeit machte mir also eine Verlängerung (allerdings in dunkel Braun, ich bin blond) in die Haare, damit sie nicht ganz so verstört aussahen. Fertig beim Frisör musste ich mich zum dritten mal für den Abend umziehen, ein weiteres indisches Hochzeitskleid jedoch nicht ganz so schwer wie das am morgen.

‚Ich glaube ich habe noch nie so viele Füße in meinem Leben angefasst wie an diesem Abend.‘

Zurück vom Frisör ging es schon los. In der Mitte von Karans society befindet sich ein kleiner Park, dieser Park wurde in ein Hochzeitszelt umgewandelt, mit vielen pinken Tüchern und Teppichen. Dort wurde, eine Bühne, eine Tanzfläche mit DJ, Tischen und Stühlen und ein Buffet aufgebaut. Auf der Bühne stand eine Couch, die für das Brautpaar bestimmt war, denn hier würden wir mehr als die Hälfte unseres abends verbringen. Wir setzten uns also auf die besagte Couch, sodass uns alle sehen und bewundern konnten. Nun kam ein Verwandter nach dem anderen zu uns, um uns persönlich alle nach der Reihe ihre Glückwünsche auszusprechen. Auch hier musste ich allen älteren Personen die Füße berühren, um meinen Segen von ihnen abzuholen und meinen Respekt zu zeigen. Ich glaube ich habe noch nie so viele Füße in meinem Leben angefasst wie an diesem Abend. Natürlich musste auch ein Bild mit jedem gemacht werden, mit der immer wiederkehrenden Ansage des Kamera Mannes ’smiiiiiile‘. Ich muss schon zugeben der Abend war sehr anstrengend, da ich mich kaum frei bewegen konnte.

‚Augen zu und durch‘

Es gab nur 2 male wo ich die Bühne verlassen hatte, das erste mal war für unseren Hochzeitstanz der zu dem indischen titel ‚tum hi ho‘ stattfand, was so viel heißt wie ‚ab jetzt gibt es nur noch dich‘ und das zweite mal war für das anschneiden unserer Hochzeitstorte. Tanzen wird in Indien sehr groß geschrieben die Leute tanzen ausgelassen werfen ihre Hände und Füße in die Luft und teilen ihre Freude. Da ich eher ein schüchterner Mensch bin tanze ich natürlich nicht so gerne, vor allem wenn hunderte von Gesichtern mich beobachten, deswegen hatte mich unser Hochzeitstanz große Überwindung gekostet. Auch der Hochzeitstanz war nicht geplant und mir war nicht bewusst das dies auch Teil der indischen Tradition ist, also hieß es mal wieder Augen zu und durch. Da Karan sehr gerne tanzt, musste ich einfach nur seinem mich herum Geschmeiße folgen und alles war nicht mehr ganz so schlimm.

‚…da draußen hungern Kindern‘

Das witzige oder vielleicht auch seltsame war, was ich beim tanzen beobachten konnte, das die Leute mit Kleingeld also 10 Rupie scheinen um sich geschmissen haben. Mir ist ehrlich gesagt bis jetzt noch ein Rätsel warum, es gibt zwar verschiedene Rituale wo man Geld im kreis über den Kopf zb unserer Babies hält um es zu Segnen aber beim Tanzen umher schmeißen fand ich sonderbar. Zudem sah ich immer kleine Kinderköpfe die unter dem Zelt von außen reinlugten um einen oder 2 scheine zu ergattern. Diese Kindern waren nicht die kinder von den Hochzeitsgästen, sondern Kinder von der Straße. Die Armut in Indien und vor allem die Kinder auf der Straße, das zu sehen tut mir im Herzen weh, es ist wirklich kein schöner Anblick und ich wusste nie so recht wie ich damit umzugehen hab. Sie dann noch auf der eigenen Hochzeit zu sehen war dann noch merkwürdiger, man kann sagen das man auch irgendwie ein schlechtes Gewissen bekommt, man selber feiert ausgelassen, hat keine Sorgen und da draußen hungern Kindern.

Verlobung

Nach dem Tanzen haben wir unsere Torte anschneiden können und unsere Verlobungsringe wurden ausgetauscht. Richtig, Verlobungsringe. Die Verlobung findet normalerweise wie in Deutschland auch vor der Hochzeit statt, bei der auch Ringe ausgetauscht werden. Es gibt in Indien keine Hochzeitsringe. Da wir aber so schnell geheiratet haben, hat Karans Mutter beschlossen beides einfach am gleichen Tag zu tun, um auch kein Ritual auszulassen.

‚Man heiratet die Familie mit‘

Als am Ende alle Gäste gegessen hatten und sich alle langsam auf den Weg nach Hause machten, was ca. um 12 Uhr Abends war, durften auch wir endlich was Essen. Nach dem Essen gingen wir alle in die Wohnung um im kleinen Kreis der Familie zu Feiern, hier durfte auch ich nun etwas trinken. Als es dann an der Zeit war ins Bett zu gehen und Karan und ich in unser Zimmer gingen, sahen wir auf dem Bett überall Rosenblätter verteilt, die seine Mutter und Schwester zuvor hier in Herzform verteilt hatten. Es sollte unsere erste Nacht als Ehemann und Ehefrau werden, was ich damals noch nicht wusste oder mir vielleicht nicht bewusst war, ist das man in Indien die Familie mit Heiratet und sie auch in Zukunft eine große Rolle in unserem leben spielen wird und auch immer noch tut. Darauf sind die Indier sehr stolz, Indien das Land der Familie.

<3

Er ist da

Der Anfang vom Ende

Juhu er ist da. Nach Monatigem warten, einer endloser Papierarbeit und einer harten Geduldsprobe haben wir es endlich geschafft und mein Mann ist nun zum ersten mal mit uns in Deutschland. Es war ein langer Weg mit vielen Hindernissen und Zweifeln aber das war es wert. Gersten haben wir unseren Papa vom Flughafen abgeholt, nach 2 monatigem getrennt sein. Unsere kleine war zunächst etwas skeptisch wer das denn schon wieder ist aber nach einer kurzen Zeit war alles wieder ok und sie hatte sich an ihren Papa erinnert. Karan hatte etwas Angst das Tri ihn vergessen könnte aber ich glaube Babies spüren das einfach, schließlich war er die ersten 7 Monate mit uns zusammen, sie kennt ihn, seinen Geruch und seine Nähe.

was bringt die Zukunft?

Karan ist nun zum ersten mal in Deutschland und der Papierkram nimmt natürlich für uns erstmal kein Ende, wir haben noch einen langen Weg vor uns und wissen nicht was die Zukunft für uns bereithält. Fakt ist , wir wollen eine weile in Deutschland bleiben um auch die andere Seite kennen zu lernen, dass er sieht wie das leben in Deutschland ist, wo ich aufgewachsen bin, meine Familie und Freunde. So lernt man sich noch ein Stück mehr kennen.

‚Das soll ein Dorf sein?‘

Seine ersten Eindrücke von Deutschland, nachdem wir auf dem Weg nach Hause waren und ihm sagten wir würden in einem Dorf wohnen war er überrascht, er meinte ‚Das soll ein Dorf sein? Ein Dorf wo die bauern einen Mercedes im Hof stehen haben und mit dem BMW zu ihren Feldern fahren? Oder Nach einem kurzen Ausschnitt aus einer Fernsehsendung, wo alle Anwesenden einer Hochzeit weinen, meinte ‚Das gibt es in Indien nicht, wir lachen und sind fröhlich, warum weinen die denn alle?‘. Es sind die kleinen Dinge und ich glaube wird werden hier noch viel Spaß zusammen haben, neue Entdeckungen machen.

Unsere eigene kleine Welt

Ich muss schon sagen in einer Interkulturellen Beziehung zu sein bringt viele neue und interessante Seiten mit sich, wir entdecken uns immer wieder neu, was für mich vollkommen normal und selbstverständlich ist, ist für ihn komplett absurd und anderes herum. Wir lernen die Welt neu entdecken, wie kleine Kinder und erfreuen uns daran. Natürlich gibt es nicht nur Vorteile und man eckt manchmal an. Es entstehen Missverständnisse wegen Sprache, wenn man sich nicht weiß richtig auszudrücken und einem die Worte fehlen, da kann man sich manchmal sogar ein wenig dumm vorkommen. Wir stammen zudem beide aus komplett gegensätzlichen Kulturen, man hat unterschiedliche Familienkonzepte und unterschiedliche Geschlechterrollen und muss sich erst aufeinander einspielen. Das kann eine Zeit lang dauern und man ist gezwungen viel miteinander zu sprechen damit man sich lernt zu verstehen und das manchmal vielleicht auch ohne Worte. Man steht auch viel unter der Beobachtung von der Gesellschaft damit muss man erstmal klar kommen, hier wie auch dort . Unsere Welt ist immer wieder im Wandel, wir haben 3 verschiedene Sprachen, da manche Wörter einfach viel witziger und schöner in den Sprachgebrauch einfließen. Wir schaffen uns eine eigene Welt, das beste aus beiden, eine dritte Kultur.

<3

Herzenssache (Teil 3/1)

wie ein kleiner rot-goldener Weihnachtsbaum

Nach einer sehr kurzen Nacht war der Tag gekommen, Zeit für Frühstück oder ähnliches war nicht. Der Tag war streng geplant und voll ausgefüllt und so weit ich mich erinnere musste man die Zeremonie daheim und im Tempel auf nüchternen Magen machen. Also aufstehen und schnell anziehen, Karans Schwestern halfen mir dabei. Der Rock war super schwer und man musste ihn so fest schnüren das er nicht nach unten viel, dann noch die Bluse und das Tuch musste mit Sicherheitsnadeln festgemacht werden, auch das war sehr schwer. Damit war es aber noch nicht getan, es wurde mir tonnenweise Schmuck umgehängt, sodass ich am Ende aussah wie ein kleiner rot-goldener Weihnachtsbaum. Kaum fertig angezogen hörte ich schon die Trommeln von weit unten aus dem Hof. Karan wohnte mit seiner Familie in einem Hochhaus in Delhi, meist sind es mehrere Hochhäuser zusammen auf einem Gelände, was dann umzäunt und von einem Wachmann bewacht wird, eine sogenannte ’society‘. Diese gibt es überall in Delhi verschiedene umzäunte Gelände also mehrere societies mit mehreren Hochhäusern und Wachmännern. Hier wohnen meist die Mittel- oder Oberschicht von Delhi, da sich arme Menschen so etwas nicht leisten können. Die Menschen fühlen sich einfach sicherer in so einer bewachten Anlage. Aber genug davon.

‚…natürlich habe ich kein Wort verstanden‘

Für immer frisch verheiratet

Die Nacht hatte ich bei meiner Mutter verbracht, die im oberen Stockwerk ihr Zimmer hatte und nachdem wir alle fertig waren gingen wir nach unten in Karans Wohnung, wo schon alles für die Zeremonie hergerichtet wurde. Im Wohnzimmer saß der Priester auf den Boden und ich sollte mich dazusetzen. Es war ganz schön viel los und ich glaube nicht mich erinnern zu können das Karan mit in die Zeremonie eingebunden wurde, es ging nur um die Seite der Braut. So redete der Priester von irgendwas was ich nicht verstand und ich folgte einfach nur allen Anweisungen. Die Braut bekommt bei ihrer Hochzeit viele rote Armreifen, die fast bis zum Ellenbogen reichen und dann ein Jahr von der Braut getragen werden müssen, ohne sie auch nur einmal abzunehmen. Ob ich das gemacht habe? Ja klar, ich wollte allen Traditionen folgen, ich fand es schön und es gab mir immer ein Gefühl frisch Verheiratet zu sein. Die Armbänder werden meist von dem Vater der Braut angezogen, deshalb ist es eigentlich immer ganz wichtig das beide Elternteile dabei sind. Da mein Papa leider nicht so schnell nach Indien kommen konnte, sind die Nachbarn hierfür eingesprungen und haben mir beide Arme mit den roten Armreifen gefüllt.

Schließlich wurden mir noch die Fußkettchen um den Fuß gelegt, was nur eine verheiratete Frau tragen darf. Wenn man nach Indien geht und man mal auf die Füße der Frauen achtet, sieht man das nur die ganz kleinen Babies und die verheirateten Frauen erlaubt sind auf beiden Seiten diese Fußkettchen zu tragen, welche meist mit schönen Glöckchen behängt sind damit man sie auch hört. Bei dem letzten Teil der Zeremonie, der auch nur für die verheirateten Frauen bestimmt ist, sind die Ringe am Fuß und zwar jeweils einer am zweiten Zeh. Als wir damit fertig waren, die Segen des Priesters ausgesprochen wurden und ich natürlich wieder seine Füße berühren musste um mir meinen eigenen persönlichen Segen von ihm zu holen, war der erste Teil der Zeremonie erledigt. Nun wurde freudig getanzt und wir fingen an uns den weg in den Hof zu machen, wo schon die Trommeln laut ertönten.

Heirat mit Feuer

Unten angelangt sah ich Karan mit den ganzen Männern tanzen. Ich wusste nicht so recht was ich tun sollte, hatte man von mir erwartet auch zu tanzen? Tanzen ist ja nicht so meins und zum Glück schob mich auch schon jemand weiter Richtung Auto, denn es sollte nun zum Tempel gehen um die eigentliche Hochzeit durchzuführen. Karan und ich fuhren in 2 verschiedenen Autos, ich blieb mit meiner Mama und er fuhr mit seinen Freunden. Ich war ganz schön aufgeregt, denn auch den Tempel wo die Hochzeit stattfinden sollte hatte ich noch nie gesehen.

’schau dir mal die weiße da an‘

Dort angekommen ging es mit den Trommeln natürlich weiter und alle tanzten ihren Weg zum Tempel. Ich erinnere mich noch an die Leute auf dem Weg und die Kinder die mich alle anstarrten vor Überraschung, Erstaunen, Freudig und Misstrauisch alles dabei. Auch wenn ich viele Menschen mittlerweile kenne die in Indien geheiratet haben, passiert es wohl trotzdem nicht so oft und die Leute sind überrascht, ’schau dir mal die weiße da an‘. Damals verstand ich noch kein Wort Hindi und ich wäre auch zu beschäftigt gewesen zu hören was die Leute sprachen aber auch heute noch zählt man als weißer in Indien als Exot und die Leute bezeichnen einen als angrez (eine englisch sprechende weiße Person, was wohl daher kommt da die Engländer damals Indien geplündert haben) oder gori (weiße). In Indien spielt die Tonart eine große Rolle, wie man die Wörter Ausspricht, man hört schnell raus ob es als Beleidigung gemeint ist oder eher als Überrascht sein.

Im Tempel angekommen musste ich erstmal warten und alle gingen in den Oberen Stockwerk um die Rituale mit dem Mann durchzuführen, was da genau geschehen ist weiß ich bis heute nicht, ich durfte nicht dabei sein.

‘Wir sind jetzt Ehemann und Ehefrau, wir sind eins. Du gehörst mir und ich gehöre dir bis zur unendlichkeit.‘

Als sie jedoch damit fertig waren, ging es im unteren Teil des Tempels zusammen weiter. Wir sollten uns beide zusammen auf den Boden setzen, neben uns der Priester und vor uns das Feuer. Der Priester sprach auf Sanskrit, eine alt-indische Sprache, bei der er immer wieder Sachen ins Feuer schmiss und uns aufforderte dies auch zu tun und die Zeilen zu wiederholen. Natürlich verstand ich mal wieder kein Wort und ich nuschelte irgendetwas vor mich hin. Im nachhinein wurde mir dennoch erklärt das ich sieben versprechen gegeben habe. Bei den Gelübden geht es hauptsächlich darum, das man einander beschützt und glücklich macht, man gesunde Kinder hat und sie bildet und sich gemeinsam um sie kümmert. Das 7. versprechen ist das schönste und zwar verspricht der Mann ‘Wir sind jetzt Ehemann und Ehefrau, wir sind eins. Du gehörst mir und ich gehöre dir bis zur Unendlichkeit.‘ woraufhin die Frau verspricht. ’Mit Gott als meinen Zeugen, bin ich jetzt deine Frau. Wir werden uns lieben, respektieren, hegen und pflegen für immer.’ Nun legt der Mann der Frau die Kette an von der ich euch schon beim letzten mal erzählt hatte und trägt ihr mit dem Finger am oberen Haaransatz, mit roten Puder, einen Roten streifen auf. Dieser rote Streifen nennt sich Sindoor, den wiedermal nur verheiratete Frauen tragen. Es wird auch von der Frau erwatet, dass sie dies bis an ihr Lebensende ihres Mannes jeden Tag aufträgt, es soll den Ehemann beschützen und ihm ein langes leben bescheren.

Aus 1 und 1 wird 1

‚man wird eins und wird für immer eins bleiben.‘

Nachdem alle Gelübde ausgesprochen wurden, kommt eine weitere sehr schöne Tradition und zwar legen der Mann und die Frau sich gegenseitig Blumenketten um den Hals. Man sagt wenn der Mann den Blumenkranz der Frau umlegt und auch umgekehrt, das sie jeweils die spirituelle Energie des anderen Teilen, es soll die Einheit der 2 Sehlen symbolisieren. Man bekommt eins so wie die Götter Shiva und Parvati auf einem bekannten Bild, die sich als Mann und Frau einen Körper teilen. Nach anlegen des Blumenkranzes geht man gemeinsam noch 7 Runden ums Feuer um die 7 Versprechen zu festigen, 4 Runden geht die Frau vorne und 3 der Mann. Die Versprechen um das Feuer gelten als unbrechbar, man wird eins und wird für immer eins bleiben.

<3

Herzenssache (Teil 2/1)

Die Woche zuvor

Nach dem ja sagen ging alles ganz schnell. Karan musste natürlich erst seine Mutter noch fragen ob sie damit einverstanden ist. Die Eltern in Indien haben in Sachen Heirat viel Mitspracherecht und die meisten suchen sogar die Frau für ihre Kinder selbst aus, sogenannte arrangierte Ehen damit man das beste für sein Kind bekommt. Zum Glück ist seine Mutter nicht ganz so streng und war mit der ganzen Sache einverstanden, vielleicht sogar mehr als das, denn es konnte ihr nicht schnell genug gehen. Das ‚ja‘ sagen fand im Oktober statt und ihre Vorstellung für die Hochzeit war schon der 7. Dezember. Warum so schnell? Naja ich denke mal, einerseits weil sie froh war das ihr Sohn eine Frau gefunden hatte, man muss das ja auch mal aus der Sicht einer Indischen Mutter sehen, der Sohn fast 30 und noch nicht verheiratet, das geht doch nicht. Zum anderen, was sollen die Nachbarn denken. In Indien macht man sich schon viel Gedanken was die Nachbarn sagen könnten, das tut man auch hier aber dort geht es darum das man als unverheiratetes Pärchen einfach nicht zusammen wohnt, das geht einfach nicht und widerspricht einfach allem. Man findet z. B. nicht einmal Wohnungen zusammen als Mann und Frau wenn man nicht vorweisen kann das man verheiratet ist und gemischte WGs ist auch nicht drin und das nicht mal im offenen Mumbai.

‚Sie will doch nur das Visa‘

Unserer eigentlicher Plan war noch bis nächstes Jahr April mit der Hochzeit zu warten. Das war zumindest der Rat seiner Cousins, die meinten wir sollten lieber erstmal schauen ob es klappt und wie wir miteinander klar kommen würden. Freunde von Karan meinten hingehen ich wolle eh nur das Visa von Indien um bleiben zu können, da es kein Geheimnis war das ich Indien liebte. Nun bekam er bekam Angst und machte sich Gedanken, man muss aber bedenken das wir uns nun wirklich so ganz und gar nicht kannten und als es ernst wurde, wir beide kalte Füße bekamen.

‚warum eigentlich nicht und wenn nicht jetzt wann dann‘

Durch den Druck seiner Mutter und ein gemeinsames hin und her Überlegen kamen wir zu dem Entschluss, warum eigentlich nicht und wenn nicht jetzt wann dann. Somit stimmten wir seiner Mutter zu, die schon mit einem Priester das passende Datum festgelegt hatte. In Indien kann man nicht einfach an jedem beliebigen Tag Heiraten, es sind bestimmte Tage im Jahr dafür vorgesehen die besonders viel Glück bringen sollen. Es sollte eine kleine Hochzeit sein, nur vor einem Standesamt mit Familie und vielleicht ein paar Freuden aber da ja bekanntlich immer alles anders kommt als man denkt und ich nun eine neune indische Mutter habe, hat man die Rechnung ohne sie gemacht. Karan ist schließlich der einzige Sohn und das muss gefeiert werden und so wurde die Liste der Verwandten, Bekannten und Freunden immer größer. Für meine Verhältnisse war es eine große Feier wobei mir immer wieder versichert wurde es sei nicht mal die hälfte der Familie da. Die Erinnerung daran bringt mich immer noch zum Schmunzeln, denn ich hatte absolut keine Ahnung was da wirklich auf mich zukommt, ich war noch nie auf einer indischen Hochzeit und dann sollte die erste gleich meine eigene sein.

Die Vorbereitungen

So fingen die Vorbereitungen an, von denen ich ehrlich gesagt nicht viel mitbekam und ich am Ende mehr oder weniger vor vollendete Tatsachen gestellt wurde. Ich meine wie hätte ich auch helfen können in einem fernen Land ohne zu wissen wie sowas überhaupt läuft. So war ich mehr der passive Zuschauer des geschehen, was mich aber nicht störte da ich sah wie glücklich es Karans Mutter und Schwester machte alles zu planen. Eine Sache blieb natürlich komplett mir überlassen ich durfte mir mein Hochzeitskleid selber aussuchen, der sogenannte Lehenga der aus einem schweren langen Rock, einem kurzen bauchfreien Oberteil und einem Tuch besteht.  Zudem durfte ich mir noch die Kette, die mir mein Mann bei der Hochzeit um den Hals legt, aussuchen.  Die Kette auch als Mangala sutra bezeichnet bedeutet Heiliges Band, sie steht für das lange Leben des Ehemannes, es wird erwartet das die Frau sie ihr Leben lang trägt für die Gesundheit ihres Mannes. Die Kette besteht aus kleinen schwarzen perlen die es in verschiedenen Größen, längen und verschiedenen Anhängern gibt. Diese Kette zählt wie so vieles andere als der Ehering und das Abschließen des Ehegelübdes. Natürlich wollte ich auch wissen was so alles auf mich zukommt und wie so eine Hochzeit läuft aber trotz mehrmaligen erklären konnte ich mir kein wirkliches Bild machen und war am Ende der überwältigte Zuschauer des Geschehens.

 

die rituale

Das erste Ritual beginnt eine Woche vor der Hochzeit und zwar das die Frau das Haus abends, wenn es dunkel wird, nicht mehr verlassen darf. Das hat viel mit dem Schutz zu tun, es geht vieles darum vor den bösen Augen beschützt zu werden und Nachts sind nun mal viele Zwielichte Gestalten auf der Strasse (vor allem in Delhi). Mit dieser Regel hatte ich ehrlich gesagt etwas zu kämpfen da Karan und ich viel draußen zusamen unterwegs waren und uns viel mit Freunden getroffen haben, ich habe mich eingesperrt gefühlt und es kam mir schon etwas komisch vor aber egal Augen zu und durch es war ja nur für eine Woche.

‚Ich wollte nicht in ihren schuhen stecken‘

Die Woche verging und zwei Tage vor unserer Hochzeit kam auch endlich meine Mama in Indien an. Sie hatte einen express Ausweis beantragt mit express Visa, damit es ihr möglich war bei der Hochzeit dabei zu sein. Sie war die einzige meiner Familie die dabei war und ich war froh sie bei mir zu haben, ich mein wer kann schon mal so auf die schnelle nach Indien fliegen. Wir hatten ihr extra ein Zimmer bei einen Nachbarn organisiert, weg von den Gästen, denn schon ab dem nächsten Tag würden alle Verwandten kommen die alle im Wohnzimmer auf Matratzen auf dem Boden schlafen würden.  So viel wollten wir ihr nicht zumuten, es war ohnehin schon einiges das sie verkraften musste, das erste mal Indien und dann auch noch die Hochzeit ihrer Tochter in der chaotischen Stadt Delhi. Ich wollte nicht in ihren Schuhen stecken, denn auch für mich war es viel zu verarbeiten.

‚Haldi ki rasam‘

Es war soweit die ganzen Verwandten kamen den Tag vor der Hochzeit an und wir beginnen mit den Ritualen. Das erste Ritual war morgens und nennt sich ‚Haldi ki rasam‘ was so viel heißt wie Kurkuma Zeremonie. Dem Kurkuma werden viele heilende Kräfte zugesagt. Bei der Zeremonie wird das Kurkuma mit Milch oder auch Rosenwasser gemischt. Dieses Gemisch wird dann von allen Verwandten und Freunden, mit guten wünschen für die Zukunft, auf dem Gesicht und Körper des Bräutigames und der Braut verteilt. Das Kurkuma soll z.B vor den bösen Augen anderer beschützen, sodass die Hochzeit ein gutes gelingen mit sich bringt, zudem gab es damals noch nicht so viele Kosmetiker und die Leute haben sich ihre eigenen Gesichtsmasken zusammengestellt und Kurkuma soll das Gesicht reinigen und zum leuchten bringen damit man schön für die Hochzeit ist. Dieses Ritual wird durch verschiedenen Gebete begleitet und durch das Singen der Verwandten. Nachdem alle ihre Glückwünsche ausgesprochen haben war es an der Zeit von mir und Karan uns bei den verwandten den Segen abzuholen, das geschieht dadurch das man den älteren Verwandten mit beiden Händen beide Füße berührt und diese uns dann ihren Segen geben. Das Füße berühren hat mit Respekt vor den älteren zu tun was immer dann geschieht wenn man ältere Verwandte trifft.

Mehndi

Nachdem wir mit den ersten Ritual fertig waren ging es auch schon weiter, das Kurkuma wurde abgewaschen und ich sollte mich umziehen, denn schon stand die Mehndi Zeremonie auf dem Plan. Mehndi ist das Henna das auf beiden Armen und Füße der Braut aufgeragten wird. Die getrocknete Farbe des Hennas soll anscheinend zeigen wie sehr dich dein Mann liebt, je dunkler die Farbe am Ende desto mehr liebt dich dein Mann. Hier haben sich alle Frauen in einem zimmer versammelt und jeder konnte sich etwas Henna auf die Hände machen lassen, nicht aber auf die Füße, denn das steht nur der Braut zu. Es war eine ziemlich lange Prozedur bei der man sich nicht viel bewegen kann, hat man erstmal die Hände und Füße voller Henna dauert es eine weile bis es trocknet man will es ja schließlich nicht versauen also bleibt man still sitzen.

‚Warum darfst du trinken und ich nicht?‘

Zum Glück war meine Mama da, die einzige mit der ich mich Unterhalten konnte, denn Karan war anderweitig beschäftigt, er und die restlichen Männer saßen alle im Raum nebenan und tranken Rum. In Indien trinken die Frauen nicht, also nicht offiziell nur heimlich und so saßen Männer und Frauen in unterschiedlichen Zimmern. Das war neu für mich und darauf war ich absolut nicht vorbereitet, ich muss zugeben es hatte mich sogar ein bisschen genervt ich mein wieso darf er sich seinen Spaß machen und ich nicht. Also nahm ich mein Handy in die Hand und bombardierte meinen Zukünftigen mit Nachrichten von wegen ‚Warum darfst du trinken und ich nicht?‘ und ‚Warum kannst du mit Freunden sein und ich nicht?‘ und ‚Warum zum Teufel lässt du mich allein?‘ man kann schon sagen ich war etwas frustriert. Zum Glück kam dann doch noch eine Freundin von Karan vorbei die ich auch kannte und zusammen mit Karan haben dann beide für mich eine ‚Cola‘ reingeschmuggelt, es durfte ja schließlich niemand wissen das ich trinke. Als die Zeremonie vorbei war und mein Henna trocken sind wir zusammen, die Freundin, meine mutter und ich, auf das Zimmer meiner Mutter und haben unsere eigene kleine Party gefeiert, denn zu den Männern durften wir ja schließlich nicht. Später, als fast alle gegangen waren oder schon geschlafen haben,  kam auch Karan noch dazu. Wir erzählten noch eine weile und ich versuchte vor dem nächsten großen Sturm am Morgen noch etwas zeit mit meiner Mama alleine zu verbringen. Ich sollte noch schnell lernen das das alleine sein jetzt erstmal ein Ende hatte.

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